Alltag und Freizeit in Tokyo und Wien um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert

Die Beiträge dieses Symposiums sind in Buchform in der Reihe "Beiträge zur Japanologie 37" (BZJ) erschienen.


Dieses Symposium wurde von der Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien und der Literaturwissenschaftlichen Fakultät der Meiji-Universität, Tokyo, in Zusammenarbeit mit dem Akademischen Arbeitskreis Japan und dem Institut für Ostasienwissenschaften – Japanologie veranstaltet.
Der Bericht wurde von David Breitwieser, Silvia Groniewicz, Irene Hetzenauer, Balàcz Javoris, Judith Schmuck, Pia Vogler und Sigrid Willibald unter Leitung von Judith Brandner und Brigitte Steger erstellt.
Zum Anhören der Interviews ist ein MacroMedia Flash 6.0 Plug-in erforderlich.

Programm


Fin de Siècle – Tokyo und Wien

Theater und Film, intellektuelle Diskurse und soziale Realitäten. Dass die Jahrhundertwende nicht nur in Europa eine bewegte Zeit war, konnte im Rahmen des interdisziplinär abgehaltenen Symposiums deutlich herausgearbeitet werden. Weit entfernt davon, gängige idealisierte Vorstellungen dieser Zeit zu zitieren, gelang es, den Wandel vom 19. zum 20. Jahrhundert in Wien und Tokyo facettenreich zu präsentieren.

Intellektuelle Eliten

Der erste Teil des Symposiums wurde den Aktivitäten japanischer und österreichischer Intellektueller gewidmet. Der Germanist Yoshio Koshina arbeitete in seinem Vortrag Parallelen und Differenzen zwischen der Romantik der Wiener Moderne und dem gleichen Zeitraum in Japan heraus. So erfuhr man beispielsweise von Koshina über Lyrikerkreise in Wien und Tokyo. Die japanische Germanistin Eriko Hirosawa von der Meiji Universität machte auf die unterschiedliche Verwendung des Begriffs "freie Liebe" in Österreich und Japan aufmerksam.
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Soziale Realitäten

Mit gängigen Bildern einer von Hochkultur geprägten Moderne brachen drei VertreterInnen der Wiener Japanologie. Der Vorstand des Instituts für Ostasienwissenschaften der Universität Wien, Sepp Linhart, führte die ZuhörerInnen im Zuge seines Vortrags in die dunkelsten Gegenden von Tokyo und Wien.
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Revolution der Geburt

Der Zugriff der Wissenschaft auf das Geburtswesen einhergehend mit einer Professionalisierung des Hebammenberufs wurden von der Japanologin Brigitte Steger ausführlich diskutiert. Brigitte Steger befasste sich mit dem Wandel der Geburtshilfe unter dem Einfluß der Wiener Medizinischen Schule. Galt der Hebammenberuf in Japan bislang als "unreines Gewerbe", so entwickelte er sich allmählich zu einem Karriereberuf unter Polizeiverwaltung.
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Inkyo oder: Altenfürsorge auf japanisch

Susanne Formanek von der Akademie der Wissenschaften in Wien zeigte, dass das Problem der Altenfürsorge bereits um die Jahrhundertwende zu zahlreichen Diskussionen führte.
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Theater

Unterschiedliche Funktionen des Theaters in Wien und Tokyo waren Themen des zweiten Tages der Veranstaltung. Soichiro Itoda sowie sein Kollege Michio Hara stellten dem Wiener Publikum das japanische Kabuki Theater von einer wenig bekannten Seite vor: Was heutzutage als japanische Hochkultur bekannt ist, diente ursprünglich zur Erheiterung des Volkes und dazu, aktuelle Ereignisse sowie Sensationen bekannt zu machen.
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Kino als Teil der Populärkultur

Die Verbreitung des Kinos und dessen Auswirkungen auf die Gesellschaft wurde vom Wiener Japanologen Roland Domenig und von der Filmwissenschaftlerin Susanne Schermann, derzeit Meiji-Universität Tokyo, ausführlich behandelt.
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Interdisziplinarität. Interkulturalität

Den häufig gestellten Forderungen nach Interdisziplinarität und Zusammenarbeit mit ausländischen ForscherInnen im Rahmen der Wissensproduktion wurde diese Veranstaltung auf beachtliche Weise gerecht. Es gelang nicht nur, VertreterInnen unterschiedlicher Disziplinen der Wiener Universität zu einer gemeinsamen Diskussion zusammenzubringen, das Symposium gewann überdies durch die Teilnahme japanischer WissenschafterInnen eine beeindruckende Gestaltungsvielfalt.


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